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2. Artist Talk des Danube Art Lab

Unter dem Aspekt „versteckte kulturelle Orte“ werden drei Künstlerinnen und Künstler des Danube Art Lab temporäre Interventionen, Performances oder Installationen erarbeiten. Jetzt reifen die Ideen, im Herbst wird eine Jury über die Realisierung entscheiden und im Sommer 2018 sollen die Arbeiten für jeden zugänglich im Stadtgebiet präsentiert werden.

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„Wir freuen uns als Stadt Regensburg, dieses ambitionierte Projekt nach Regensburg geholt zu haben, und wollen mit Kunst und Kultur ein sichtbares Zeichen für ein weltoffenes Europa setzen“, sagte Kulturreferent Klemens Unger beim 2. Artist-Talk im Danube Art Lab des EU-Projekts „Kulturplattform Donauraum“ im Degginger am Montag. Dort wurde deutlich: Bojana S. Knežević (Serbien), Dumitru Oboroc (Rumänien) und Alexandru Raevschi (Moldawien) sind international vernetzt, am Puls des aktuellen Kunstgeschehens und ihr künstlerischer Output von höchster Qualität.

Die drei Künstlerinnen und Künstler des Danube Art Lab verbindet ihr soziales Interesse und Engagement. „Kunst kann helfen, Dinge zu enthüllen, die Menschen bewegen“, sind sie sich einig. Regina Hellwig-Schmid von der Donumenta fasst zusammen: „Kunst kann heilen, aber sie zeigt auch die Wunde.“

Wie hilfreich der Blick von außen ist, um die eigene Stadt neu zu sehen und zu erleben, betonte Hans Simon-Pelanda vom Team der Donumenta, Kooperationspartner der Stadt Regensburg im internationalen Residenz-Programm Danube Art Lab. 

Die Künstler:

Künstlerische Trauma-Studien

Alexandru Raevschi aus Moldawien absolviert gerade seinen PhD in Marburg in Architektur. Aktuell ist er mit Werken auf der Biennale in Moskau und vier weiteren internationalen Ausstellungen vertreten. Beim Artist Talk im Degginger gab er dem Regensburger Publikum Einblick in seine Arbeit zwischen Wissenschaft, Gesellschaftstheorie und der Kunstfertigkeit eines akademischen Malers. Was Kunst leisten kann, verdeutlichte der moldawische Künstler am Beispiel seines Projekts „Universe 69“. In der von einem Erdbeben völlig zerstörten armenischen Stadt Gyumri hat Raevschi mit jungen armenischen Künstlern und japanischen Kollegen zusammengearbeitet. Raevschis Ansatz: Die Japaner hatten 2011 durch die atomare Katastrophe von Fukushima im März 2011 als Nation ein ähnliches Trauma erlebt wie die Armenier durch ein Erdbeben von 1988. Dabei nahm jedes einzelne Individuum Schaden. Das zeigen die beschädigten Fotografien, die Raevschi aus den Häusern im zerstörten Gyumri geborgen hatte und als großformatige Malerei an Fassaden brachte.

Kraft der Bilder

Dumitru Oboroc aus Iași in Rumänien ist Künstler mit dem Hintergrund eines Soziologen. „Er sieht die Welt mit mindestens vier Augen“, sagt Donumenta-Initiatorin und Moderatorin Regina Hellwig-Schmid über ihn. Oboroc zeigt, wie absurd Kunst sein kann, wenn sie sich nicht selbst erneuert. 600 Postkarten, ausgedruckt in einem Copy-Shop, ergeben zusammengesetzt raumhohe Porträts von sich selbst und seiner Frau. Oborocs Arbeit handelt von der „Kraft der Bilder“ und davon wie schwer es ist, ein Bild zu rekonstruieren. Die einzelnen Postkarten hatte er per Post an seine Galerie geschickt, damit sie vor Ort zusammengesetzt wurden. Mit Kratzern und unzähligen Fingerabdrücken kamen sie dort an, eine Postkarte fehlte.

Management einer Gruppenidentität

Die Serbin Bojana S. Knežević arbeitet interdisziplinär und beschäftigt sich auch als Kritikerin und Feministin mit Kunst. Ihr Thema: Das Individuum in der Gesellschaft. Seit 2013 arbeitet sie am Projekt „Süße Konzeptkünstlerin“, ein Widerspruch an sich und Alter Ego der Künstlerin, die Arbeit sucht. Ihr Medium: Anschläge an Schwarzen Brettern und Laternenpfählen mit kleinen Abreißzetteln für Telefonnummern in den Straßen von Belgrad und Novi Sad. Auf sozialen Netzwerke bis hin zum Online-Portal der „Art Elle“ beginnt Knežević Kunstwerke zu sammeln und akzeptiert alles, was ihr geschickt wird. Ein Mann verliebt sich in die Kunstperson. Daraus entstehen wiederum neue Kunstwerke. Durch die Beteiligung von immer mehr Menschen gewinnt die süße Konzeptkünstlerin immer mehr Profil. Es entsteht eine Gruppenidentität. „Ich bin die Managerin dieser Gruppenidentität“, kommentiert Knežević ihre Arbeit.

Hintergrund:

Kooperationspartner: Stadt Regensburg und Donumenta

Für das EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum“ sind Stadt Regensburg und Donumenta eine Kooperation eingegangen. Die Stadt Regensburg ist einer von neun EU-Projektpartnern, die sich darauf verständigt haben, das Natur- und Kulturerbe im Donauraum nachhaltig zu nutzen.

Kunst – Kultur – Tourismus: Diese drei Begriffe sind die Eckpfeiler der „Kulturplattform Donauraum“, die über Ländergrenzen hinweg arbeitet und als so genanntes Interreg-Projekt größtenteils von der EU finanziert wird. Länder, Regionen und Zivilgesellschaften im Donauraum begegnen und vernetzen sich über Grenzen hinweg. Mittel dieser Vernetzung sind Kunst- und Kulturprojekte.

Projektpartner der „Kulturplattform Donauraum“:

Bundeskanzleramt Österreich, Sektion Kunst und Kultur (Lead), Land Oberösterreich (Oberösterreichische Landesmuseen, OK Kulturzentrum), Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg (Deutschland), Ministerium für Kultur und nationale Identität Rumänien, Kulturministerium Bulgarien, Tourismusministerium Bulgarien, Stadt Regensburg (Deutschland), Zsolnay Kulturquartier, Pécs (Ungarn), Danube Competence Center, Belgrad (Serbien)

Weiterführende Informationen unter:

http://www.regensburg.de/kultur/eu-kulturprojekte/kulturplattform-donauraum

www.donumenta.de

http://www.interreg-danube.eu/approved-projects/cultplatform-21

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